1. Schaffen Sie ein positives Klima

Zu Hause kommen Ihre Kinder zum ersten Mal mit dem Thema Beruf in Berührung und Sie sind der Vermittler. Dementsprechend liegt es an Ihnen, eine angenehme und möglichst lockere Atmosphäre für die Berufswahl zu etablieren. Ihr Kind soll zu jeder Zeit das Gefühl haben, entspannt und offen über das Thema sprechen zu können. Sparen Sie sich lieber den Hinweis darauf, welch bedeutsamer und wegweisender Schritt die Entscheidung für eine Ausbildung oder ein Studium ist – das ist den meisten Jugendlichen nur allzu bewusst. Machen Sie Ihrem Kind lieber deutlich, dass es nicht nur wichtig, sondern auch spannend sein kann, sich mit den eigenen Möglichkeiten der Zukunftsgestaltung auseinanderzusetzen.

2. Zeigen Sie Interesse

Wenn Ihr Kind erst einmal mit der Berufsorientierung begonnen hat, ist es wichtig, am Ball zu bleiben – das gilt auch für Sie. Interessieren Sie sich dafür, wie Ihr Kind mit dem Thema umgeht. Welche neuen Eindrücke hat zum Beispiel die Berufsorientierungsmesse gebracht, die Ihr Sohn oder Ihre Tochter kürzlich mit der Schulklasse besucht hat? Signalisieren Sie, dass Sie sich für Neuigkeiten interessieren und bei Bedarf gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen.

3. Kennen Sie Ihre Grenzen

Die Eltern spielen im Berufsfindungsprozess eine wichtige Rolle, aber nicht die Hauptrolle. Die treibende Kraft, die bestimmt, wo es langgehen soll, ist Ihr Kind. Beobachten Sie den Prozess und bieten Sie sich behutsam als Ansprechpartner an. Beachten Sie aber, dass der Grat zwischen Unterstützung und Überbehütung oft schmal ist. Vermeiden Sie es, Druck aufzubauen oder Ihr Kind in eine bestimmte Richtung zu lenken. Zwang, Vorhaltungen und Forderungen vergiften das positive Klima, das Sie für die Berufswahl geschaffen haben. Denken Sie immer daran: Sie sind ein wichtiger Berater, aber kein Entscheider.

4. Fangen Sie früh an

Unterschätzen Sie nicht die Zeit, die eine gründliche und reflektierte Auseinandersetzung mit den eigenen Wünschen und Zielen benötigt. Die Berufsfindung sollte mit so wenig Zeitdruck ablaufen wie möglich. Empfehlenswert ist es daher, spätestens zwei Jahre vor dem Schulabschluss die Beschäftigung mit der Berufsfindung anzustoßen. Auch, weil Ihre Tochter oder Ihr Sohn oft genug abgelenkt sein wird: Der Freundeskreis, der Freund oder die Freundin, die Abschlussprüfungen – es wird immer Dinge geben, denen mehr Bedeutung beigemessen wird als der Berufswahl. Nicht zu unterschätzen ist auch der innere Widerstand, der sich bei den meisten Jugendlichen bei dem Thema einstellt, denn: Wer gibt schon gerne das vertraute „Alte“ auf, um sich in eine ungewisse Zukunft zu begeben?

5. Haben Sie Geduld, die Berufsfindung ist ein Entwicklungsprozess

Berufsorientierung ist ein Prozess, der viele kleine Schritte beinhaltet. Erst nach und nach lernen Jugendliche sich selbst und ihre beruflichen Interessen und Möglichkeiten kennen. Das Thema Berufsfindung/Berufswahl wird immer wieder auf der Tagesordnung stehen. Verlieren Sie nicht die Geduld.

6. Teilen Sie Ihren Erfahrungsschatz

Haben Sie Ihrem Kind schon einmal ausführlich von Ihrem Job und seinen Anforderungen erzählt? Wie sind Sie dazu gekommen, gerade diesen Beruf zu wählen? Nutzen Sie die Chance, Ihr Kind an Ihren eigenen Erfahrungen im Beruf und mit Ihrer Berufswahl teilhaben zu lassen. Wenn Sie reflektieren, was bei Ihnen selbst einst richtig oder auch falsch gelaufen ist, wird Ihr Kind davon profitieren. Womöglich gibt es in Ihrem Umfeld auch Freunde, Verwandte oder Nachbarn, für die sich Ihr Kind interessiert. Stellen Sie den Kontakt her und vermitteln Sie ein Gespräch oder sogar ein Praktikum.

7. Zeigen Sie Verständnis

Seien Sie offen für die Vorstellungen und Ziele Ihres Kindes – auch wenn Sie selbst ein anderes Studium oder eine andere Ausbildung vorziehen würden. Sie dürfen ruhig zu Ihren eigenen Erwartungen stehen. Es ist besser, bewusst und offen damit umzugehen als sie zu verleugnen – das funktioniert ohnehin nicht. Die Entscheidung aber müssen Sie Ihrem Kind überlassen – und sie dann auch akzeptieren. Ihr Kind ebnet sich seinen Zukunftsweg, nicht Sie. Und das ist gut und richtig, schließlich muss Ihr Nachwuchs mit dem gewählten Beruf leben und in ihm arbeiten. Vermitteln Sie Ihrem Kind also Ihr Vertrauen in seine Entscheidungsfähigkeit und bestärken Sie es, seinen eigenen Weg zu gehen.

Text: HWK Trier, Sabrina Lambers